Die Diskrepanz zwischen der Aussage "Gott ist Liebe!" und unserer
Wahrnehmung von Gerichtsrede und eiferndem Gott des AT besteht da, wo
ich nicht glaube, dass sich Liebe auch SO artikuliert. Wenn ich davon
ausgehe, dass wir Menschen, Ebenbild Gottes sind, dann spiegelt sich in
der Vielfalt menschlichen Daseins (in allen Facetten unseres Verhaltens
und unserer Emotionen) auch die Vielfalt Gottes wider, Gott liebt mich
und will Beziehung mit mir. Und wenn ich weiß, dass ein böses Wort, ein
Streit, Eifersucht kein Beziehungsabbruch bedeuten muss, dann darf nicht
nur ich mit meinem Gott zürnen, sondern auch Gott mit mir. Das Problem
bei dieser Art mir Gott zu denken ist sicher, dass mein Bedürfnis nach
Perfektion enttäuscht wird. Dass ich als Mensch nicht perfekt sein kann,
weiß ich, sorgt aber nicht für ein entspanntes Umgehen mit meinen
Macken, sondern eine unablässige Unzufriedenheit. Aber dass sogar Gott
nicht all unseren Perfektionsansprüchen gerecht wird, das verstört. Aber
ich erlebe diese Vorstellung als unerreicht HEILsam.
Das wünsche ich mir: Leben, das gelingt, in dem ich nicht permanent weniger schaffe, als ich mir vornehme. Ich habe einen Job, den ich vermutlich behalten könnte, bis ich alt und grau wäre. Was für ein Privileg heutzutage! Aber ich schaffe es nicht. Ich pack´s nicht. Ich habe das Gefühl, ständig absagen zu müssen. Familie. Freunden. Jugendlichen bei der Arbeit. Kollegen. Arbeitgebern. Früher habe ich mir etwas auf meine Zuverlässigkeit eingebildet, hatte die arrogante Vorstellung, nur wer verbindlich durchzieht, was er/sie zugesagt hat, sei ein guter Mensch. Mich schüttelt es, wenn ich mir heute vorstelle, auf Basis dieser Weltanschauung Streitgespräche geführt zu haben. Irgendwie ist es gut, dass das Leben mich auf diese Weise jetzt fragt, ob ich das immer noch so denke oder jemals ernst gemeint haben könne. Hat das also was mit gerechter Strafe zu tun? (Ich hab´s wohl so verdient...) Oder einfach mit dem, was meine Seele lernen will? >...
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