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"Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder..." (Mt18,3) Oder: Tick-tack-tick-tack

Kinder leben im Hier und Jetzt.  Kinder lassen los, lassen stehen und liegen, wenn sie etwas anderes interessiert.  Kinder versuchen nur über das Eine, was jetzt ist, Kontrolle zu haben. Alles andere liegt außerhalb ihres Radius.  „Kindermund tut Wahrheit kund.“ Und überhaupt: „Des was das Herz voll ist, des geht der Mund über.“  Bei uns Großen ist das nicht (mehr) so.  Wir lachen, wenn das kleine Menschlein  wagt, etwas von sich sich zu geben,  was uns niemals über die Lippen kommen dürfte.  Ich beiße mir auf die Zunge. Ich denke nach.  Zuviel.  Kinderkriegen ist Thema. Ja, die Uhr tickt. Und es ist mir nicht nur nicht peinlich, das so zu sagen. Ich frage mich sogar, warum uns Frauen das überhaupt peinlich berührt, wenn uns die tickende Uhr vorgehalten wird. Beziehungsweise: Warum verspotten wir uns eigentlich gern gegenseitig damit? Das ist doch etwas Wunderschönes, sich Kinder zu wünschen und gerne auch nich...

Remake in Originalbesetzung

Ist es garstig zu denken, die Krankheit eines anderen nutze mir? Es kommt mir unmoralisch vor, weil ich nach dem Nutzwert von so etwas Schrecklichem spreche, das Krebs sein könnte.  "Ich erhob meine Stimme zum HERRN und sprach: HERR, erhöre mein Flehen und mach meinen Vater wieder gesund! Da geschah das Wort des HERRN zu mir und er sprach: Siehe, jetzt wirst Du heil sein! Denn durch die Krankheit Deines Vaters wird meine Herrlichkeit an Dir offenbar!"   (frei nach Janina :D) Ich liege im Bett und bin kaputt wie nach einer Woche Ferienfreizeit mit dreißig Kindern und Jugendlichen. Aber es war nur ein einziger Tag - ganz ohne Ferienfreizeit und ohne Kinder. Noch dazu ein sonniger Sonntag:  Ich hatte mich entschieden zu Hause zu bleiben und nicht mit in die Kirche zu gehen. Ich wollte endlich mal wieder hier alles in Ordnung bringen: aufräumen, Staub wischen, saugen, wischen. Das klingt kaum nach Erholung, aber war genau das, was ich mir heute am meisten wünsch...

Du bist mehr als Dein Status - Warum Schubladen uns unsere Identität rauben und wie man da wieder rauskommt

Predigt für meinen Prädikantenkurs 08.02.2012 „Lehrer- und Pastorenvieh, gerät nur selten oder … nie!“ Die Tatsache, dass wir darüber schmunzeln können, kann Verschiedenes bedeuten: Entweder wir kennen dieses Sprüchlein und können es mit einer gesunden Portion Eigenhumor über uns ergehen lassen oder wir kennen nicht nur den Spruch, sondern wissen auch, dass leider viel zuviel Wahrheit darinsteckt. Und wir könnten Geschichten erzählen...! - Will ich aber gar nicht. Ich möchte Euch eine Freundin vorstellen: Schublade hochhalten. Dieses funktionale Möbelelement ist mir im alltäglichen Leben eine große Hilfe: eine wahre Heldin des Alltags! Mir begegnet eine Frau mit Kopftuch: aha! Muslima. In einer neuen Klasse, reißt gleich zu Beginn ein Junge, denn es sind IMMER Jungen, einen Witz, alle lachen: aha! Der Klassenclown. Ich war früher die Streberin. In der Firma gibt es die Tonangeberin, die entscheidet, was der Chef zum Dienstjubiläum diesmal nicht kriegt. Eine gute Freundin von...

Kleine graue Wolke

Habe gerade ein schönes Zitat einer jungen Filmemacherin gelesen, die selbst an MS erkrankt ist und darüber einen Dokumantarfilm dreht, der 2014 in die Kinos kommt: Eine junge und starke Frau auf dem Weg mit und zu ihrer MS "Mit dem Ziel im Blick wirst DU den Weg von ganz alleine finden" (Sabine Volgmann).

Was ich (er-)warte!!!

Ich warte auf den Postboten. Wie kurios, wenn es keinen gäbe und ich trotzdem wartete.  Ich warte auf Anrufe, wenn sich jemand, der mir wichtig ist, lange nicht gemeldet hat. Ich warte auf ein lobendes Wort, wenn ich das Gefühl habe, etwas gut gemacht zu haben. Ich warte auf Kritik, wenn ich weiß, dass etwas, das ich getan oder gelassen habe, jemanden verletzt hat oder doch haben muss, oder? Wie kurios, wenn mein Gegenüber nicht mal den Hauch einer Ahnung von meinem Warten oder auch nur meinen Bedürfnissen hätte. Der Postbote kommt ja nicht deshalb nicht, weil er streikt oder krank ist oder einfach so mal keine Lust hat, die Post auszutragen. Es gibt ihn nicht. In diesem Land gibt es keinen Menschen, der die Post von Haus zu Haus bringt. Vielleicht weil es bisher nie notwendig war, weil niemand in diesem Land Post bekam. Oder weil sich jeder seine Post selbst am Postschiff abholt. Und doch warte ich und warte und warte. Und das Warten tötet mir erst meine fröhliche, zapp...

Heute vor 6.363 Tagen

Heute wurde ich in meine neue Tätigkeit eingeführt und eingsegnet. Und danach durfte ich den 71 neu zu bgrüßenden Konfirmandinnen und Konfirmanden etwas davon erzählen, was mir meine Konfirmation bedeutet. :) "Es ist genau 6.363 Tage her oder etwas gröber: etwas mehr als 17 Jahre! Da wartete ich im Jugendbereich unseres Gemeindezentrums in Löhne in Westfalen auf unseren Pastor. Ich war aufgeregt! Und zum Glück hatten meine Mutter und ich uns dann doch gegen die zweistündige Haarglättaktion entschieden. Sonst wäre dieser Tag wohl noch stressiger geworden und das Haareglätten sowieso binnen kürzester Zeit für die Katz! Ich wartete also mit zwölf anderen auf unseren Pastor, der mit uns ein letztes Mal gemeinsam in die Kirche einmarschieren wollte. Ein gemeinsam gesprochenes Gebet, seine Predigt über die schützende Funktion von Fahrradhelmen und unser öffentliches Glaubensbekenntnis, den Segen – daran erinnere ich mich gut. Aber warum bin ich eigentlich konfirmiert? - M...

Weil ich früher so ... , hab ich doch jetzt ... verdient!

Trennungen sind die größten Kränkungen, die Du erleben kannst. Ob ein Mensch nun wörtlich geht, sich mir und meinen Bedürfnissen emotional entzieht oder stirbt. Das macht - in Bezug auf mein Getroffensein - keinen Unterschied. Im Gespräch: Wie eine Ohrfeige für die Seele Und so sind unsere Gekränktheitsgefühle, die wir auch als Erwachsene erleben, nur Wiederholungen unserer frühesten Trennungserfahrungen und weisen auch mich darauf hin, dass ich heil werden kann, wenn ich mich an die ältesten dieser Erfahrungen herantraue und lerne, sogar für sie dankbar zu sein. Wie eine schlechte Soap hatte ich viele Jahre und selten auch jetzt noch das Gefühl, dass Menschen, die mir wichtig sind, sich mir immer wieder entziehen, sich verschanzen und (für mich) nicht erreichbar sind, weil ich irgendetwas falsch gemacht habe. Doch dies scheint schlicht EIN Deutungsschlüssel zu sein. Wie ein Dechiffrierungscode, der sich offenbar über drei Jahrzehnte schon oft als richtig erwiesen hat. Doc...