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Remake in Originalbesetzung

Ist es garstig zu denken, die Krankheit eines anderen nutze mir? Es kommt mir unmoralisch vor, weil ich nach dem Nutzwert von so etwas Schrecklichem spreche, das Krebs sein könnte. 

"Ich erhob meine Stimme zum HERRN und sprach: HERR, erhöre mein Flehen und mach meinen Vater wieder gesund! Da geschah das Wort des HERRN zu mir und er sprach: Siehe, jetzt wirst Du heil sein! Denn durch die Krankheit Deines Vaters wird meine Herrlichkeit an Dir offenbar!" 
(frei nach Janina :D)

Ich liege im Bett und bin kaputt wie nach einer Woche Ferienfreizeit mit dreißig Kindern und Jugendlichen. Aber es war nur ein einziger Tag - ganz ohne Ferienfreizeit und ohne Kinder. Noch dazu ein sonniger Sonntag: 
Ich hatte mich entschieden zu Hause zu bleiben und nicht mit in die Kirche zu gehen. Ich wollte endlich mal wieder hier alles in Ordnung bringen: aufräumen, Staub wischen, saugen, wischen. Das klingt kaum nach Erholung, aber war genau das, was ich mir heute am meisten wünschte: ein bisschen mehr Ordnung - in meinem Leben. "Äußere Ordnung für inneren Frieden!" Ja, so ab und an nehme ich mir Zeit dafür und es tut mir sooo gut. - Aber zurück zum Thema. Ich putzte also fleißig, als das Telefon klingelte. Meine Stiefmutter war dran, was an sich schon unruhig machte, da sonst eher mein Vater und ich miteinander sprechen. Nun rief also sie an, um mir zu sagen, dass mein Vater krank sei und im Krankenhaus liege. Verdacht auf Nierenkrebs. Erst als ich auflegte, merkte ich, was das mit mir macht: "NEIN! - 50% Mama und 50% Papa. Ich bin die beiden. Die beiden sind ich. Wenn einer stirbt - noch dazu bevor ich es endlich geschafft habe, ein herzliches Vertrauensverhältnis zu beiden wieder aufgebaut zu haben, dann ... ist irgendetwas ganz Wichtiges verloren!" Um damit nicht allein zu sein, rief ich meine Mutter und meinen Bruder an. Die Gespräche waren gut. Doch alte Pfade findet man ja bekanntlich im Schlaf. So auch ich. :/ Und genau hier setzt die Wiederholung ein.

Alle bisher gelaufenen Wiederholungen in meinem Leben empfand ich meistens als schmerzhaft, wenigstens aber als nervig. Wie einen Sprung in der Schallplatte. Doch die, die heute begann, ist jetzt schon anders. Sie schmerzt gleich doppelt: die Angst, Papa durch eine beschissene Krankheit zu verlieren UND das Gefühl einer ätzenden Wiederholung. Aber gerade sie scheint mir ein Geschenk in sich zu bergen, das heute schon einmal kurz aufblitzte. Ich lag in Elmars Armen und weinte vor Angst, meinen Vater zu verlieren und weil ich nicht bei ihm und meiner Stiefmutter sein kann, um ihnen beizustehen. Und ich erzählte von dem Gefühl, damit in meiner Familie allein zu sein. Dass niemand in meiner biologischen Familie ihn wohl wirklich vermissen würde außer mir. Als ich es aussprach, wurde mir zunächst eines klar: Dieses Gefühl ist nicht neu. Außerdem realisierte ich die Besonderheit dieser Wiederholung: Anders als andere lief diese mit der Originalbesetzung der Erstausstrahlung. Kein Remake wie "Elmar und Janina" als bessere Neuverfilmung von "Björn und Janina". Nein, alle vier sind wieder da: Mama, Papa, Stefan und Janina. Und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben bewusst die Chance, eine Entscheidung, die ich als Kind getroffen habe, neu zu treffen. Und ich würde mein Wertvollstes darauf verwetten, dass die Gefühle, die ich gerade empfinde, denen von damals, als ich drei war und meine Eltern sich trennten und mein Vater ging, sehr ähnlich sind, wenn nicht sogar identisch. 

                                                                                   Tod und Trennung sind beide doch das Gleiche. Das eine scheint nur endgültiger.

Und es ist gut, dies heute als Erwachsene zu erleben, dies formulieren zu können und mir darüber bewusst zu sein, was da gerade passiert und dass ich das Maß meiner eigener Heilung beeinflussen kann. Und es ist gut, empathisch zu sein und kein egozentrisches Kind, zu wissen, dass es nicht so IST, wie ich mir das DENKE. Dass Papas Krankheit natürlich auch nicht spurlos an meiner Mutter und meinem Bruder vorbeigeht. Und es ist gut, dass ich reden kann und will. Ich möchte mit beiden darüber sprechen. Und auch mit Papa. Werde nicht weinen - vielleicht. In jedem Fall nicht vor Verzweiflung brüllen. Ich will ihm sagen, dass er mir fehlen würde, weil ich heute weiß, wie er mir damals gefehlt hat.

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