Direkt zum Hauptbereich

gönn dir ... nichts ;)

Was geschieht mit mir in Gottes Gegenwart? 

In der Bibel gibt es Berichte von Menschen, die versucht haben, in Bildern zu beschreiben, wie es ist, Gott zu begegnen, zu merken, dass sie JETZT und HIER mit Gott am selben Orte sind, mit ihm dieselbe Luft atmen und so wie er den Geruch des Altares in sich aufsaugen. 


Jesaja schreibt vom Thronsaal und Hofstaat Gottes im Tempel, von der Berührung seiner Lippen mit einer glühenden Kohle durch einen mächtigen Engel. Und Jesaja erlebt symbolisch schmerzhaft, was mit mir in Gottes Gegenwart geschieht: Sie entkleidet mich. Sie macht mich nackt - nicht nur bis auf die Haut, nicht nur bis in Mark und Bein, sondern bis hinein in den letzten Winkel meiner Seele. Sie deckt auf, was mich zusammenhält.

Jesajas Lippen werden berührt und er schreit: "Wehe mir! Ich vergehe!" Jesaja war Prophet. Ein Redner. Ohne seine Lippen ist er nichts. Mit seinen Lippen dient er Gott. Und doch spürt er in diesem Moment: Nicht meine Lippen sind es, die mir Bedeutung verleihen. Im Gegenteil.

Gerade da, wo meine größte Stärke liegt, verbirgt sich auch diese Idee: 
Dies verleiht meinem Leben Bedeutung! Weil ich dieses oder jenes gut kann, bin ich etwas wert! Weil ich dieses oder jene Grundprinzip zur Grundfeste meines Lebens gemacht habe, bin ich die Gesellschaft der Menschen und Gottes in meinem Leben wert. - Aber auch nur deswegen!

Was sind meine Lippen? Was würde die glühende Kohle bei mir berühren, wenn ich mich in Gottes Gegenwart traute? Was ist der Klebstoff meines Selbst-Bildes? 

Wenn alles ins Wanken gerät, dann habe ich wenigstens noch ...

... meine Moral.
... meine Gesundheit.
... mein selbstbewusstes Auftreten.
... meine schöne Stimme.
... meine schlanke Taille.
... meine Charisma.
... meine Gerechtigkeit. 
... meine Rechtschaffenheit.
... mein Engagement.
... meinen Gemeinschaftssinn.
... meine/n Frau/Mann.
... meine Kinder.
... meine Familie.
... meine Männlichkeit.
... meine Fürsorge.
... meine Leidenschaft. 
... meine Liebe.
... meine Dienstbeflissenheit.
... meine Zuverlässigkeit.
... meine Verbindlichkeit. 
... meinen Glauben.
...

Ja, es sind ausgerechnet Deine Tugenden und Talente, die schönen und guten Dinge Deines Lebens, die Du in der Brieftasche Deiner Seele immer bei Dir trägst und - die auch genau das bleiben! Aber gerade sie geben uns das Gefühl von "So-bin-ich-richtig". Und genau davon finden wir uns in Gottes heiliger Gegenwart befreit. Du wirst vermutlich und sollst auch nicht aufhören, die/der zu sein, der Du bist und den Idealen zu folgen, die Dir wichtig sind. Aber wenn Du vor Gott stehst und merkst: "Ich bin ein Nichts, ein Niemand!" dann ist das gut so! - Nicht weil Gott uns am liebsten niedergeschlagen am Boden sieht und nochmal nachtritt (so wie uns das Kirche so gern und nachdrücklich vermittelt hat), sondern weil ein Niemand nicht nach der Hierarchie der himmlischen Tischordnung fragt, weil er glaubt, er habe sich selbst durch irgendetwas einen höheren Wert als andere verschafft. 

Ich darf spüren, was es heißt, mir von Gott mein Selbst füllen zu lassen. Das verleiht meinem und dem Leben aller Menschen Bedeutung - heute und immer. Amen.

Danke, für die inspierende Predigt von Daniel Bartz vom Hamburgprojekt, deren Inhalte ich hier nur mit eigenen Worten wiedergegeben habe. 

Demnächst als Audiodatei hier herunterzuladen.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Leben, das gelingt

  Das wünsche ich mir:   Leben, das gelingt, in dem ich nicht permanent weniger schaffe, als ich mir vornehme.  Ich habe einen Job, den ich vermutlich behalten könnte, bis ich alt und grau wäre. Was für ein Privileg heutzutage! Aber ich schaffe es nicht. Ich pack´s nicht. Ich habe das Gefühl, ständig absagen zu müssen. Familie. Freunden. Jugendlichen bei der Arbeit. Kollegen. Arbeitgebern. Früher habe ich mir etwas auf meine Zuverlässigkeit eingebildet, hatte die arrogante Vorstellung, nur wer verbindlich durchzieht, was er/sie zugesagt hat, sei ein guter Mensch. Mich schüttelt es, wenn ich mir heute vorstelle, auf Basis dieser Weltanschauung Streitgespräche geführt zu haben. Irgendwie ist es gut, dass das Leben mich auf diese Weise jetzt fragt, ob ich das immer noch so denke oder jemals ernst gemeint haben könne.  Hat das also was mit gerechter Strafe zu tun? (Ich hab´s wohl so verdient...)  Oder einfach mit dem, was meine Seele lernen will? >...

Liedpredigt zu "Nichts ohne Grund" von Gregor Meyle im impuls:-Gottesdienst 03.09.2016

Die Gnade unseres Gottes ist mit euch allen!   „ Wir haben 100 Leute gefragt..., welche Frage stellt sich wohl jeder Mensch (egal, wo er herkommt, egal welchen Bildungsstand er hat und egal wie arm oder reich er ist), mindestens 1x in seinem Leben?“ Was glaubt Ihr, käme bei so einer Umfrage auf die ersten 5 Plätze? Ihr habt nun 3min Zeit, 5 Fragen aufzuschreiben, von denen Ihr glaubt, dass sie bei so einer Umfrage ganz weit vorne landen würden. (Ich lese meine Fragen vor. Alle die etwas haben, das in diese Richtung geht, heben die Hand.) Warum passiert (mir) das (immer)? Hat das einen Sinn? Wer verdient es, glücklich zu sein? Wie lebe ich richtig? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Singer-Songwriter sind ja weniger für ihre schmissigen und mitreißenden, weil so flachen Texte bekannt. Und Gregor Meyle scheint da ein guter Vertreter seiner Zunft zu sein. Er hat sich nämlich ausgerechnet eine dieser großen Lebensfragen geschnappt und sich mit diesem Lied an ...

Verantwortung und Schuld

  Verantwortung ist etwas anderes als Schuld. Dennoch fangen viele - mich NICHT an letzter Stelle eingeschlossen - an, wie wild um sich zu schlagen, wenn man sie auf ihre Verantwortung für bestimmte Dinge in ihrem Leben anspricht.  Noch verworrener wird die Sache, wenn Menschen wie ich, die sich für das Glück und das Wohlbefinden der Menschen um sie herum auch noch verantwortlich fühlen, ihrer Wahrnehmung nach scheitern, diese Aufgabe nicht erfüllen, und das mit "schuldig werden" gleich setzen. Ziel verfehlt. Und trotzdem merke ich, dass mir meine Krankheit immer wieder deutlich zeigt: "Lass das bleiben!" Ich wünsche mir doch einen engeren Zusammenhalt in meiner Kernfamilie. Und manchmal frage ich mich, was mit meiner Familie würde, wenn ich nicht als Kleber fungieren würde. Ich will mich da nicht als Opfer sehen, fühle mich da aber auch nicht frei zu entscheiden. Was für Konsequenzen hätte das?  Gott, Du könntest das. Lieben ohne eine Gegenleistung zu ...