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Neben mir

"Excuse me, but can I be you for a while? My dog won´t bite, if you sit real still!" (Tori Amos)

Samstag, 18.05.2013
 
Ich stehe heute Morgen neben mir. Habe gar nicht wirklich schlecht geschlafen. Dennoch bin ich nicht erholt aufgewacht. Das ist selten und daher seltsam. Mich beschleicht ein Gefühl von: „Ich stünde heute gern ein bisschen neben mir. Dann könnte ich mir entspannt ein wenig über die Schulter schauen, mir gelegentlich auf diese tippen und mir zuflüstern: „Alles ist gut!“ Oder mir ab und an eine wärmende Hand ins Kreuz legen und sehen, wie mein anderes Ich sich genießend aufrichtet und sich über diese Unterstützung freut. Oder einfach nur zuschauen. Sehen und geschehen lassen. Was ist nur los? Brauche ich Urlaub von mir selbst? - Ja, ich bin gerade ziemlich sensibel, weine, brauche Aufmerksamkeit und Unterstützung. Aber ist das ein Grund für Ichbrauchmalabstandvonmirselbst-Gedanken? - Mir scheint, weder meine Überempfindlichkeit noch das übergroß scheinende Maß an Hilfsbedürftigkeit sind das Problem, sondern meine Strenge mir selbst gegenüber ob dieser Gefühle.

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Zuviel ist zuviel

Ich bin krank. Aber nicht immer merke ich das selbst. Man geht rein ins Krankenhaus und kommt wieder raus und was einen krank macht, sind die Warterei und die Unsicherheit sowie das Cortison bzw. die Tatsache, dass der Körper nun schreit: "Aahh, jetzt soll ich DAS wieder selbst produzieren?!?" Doch nun tut die körpereigene Hormonproduktionsstelle wieder ordnungsgemäß ihren Dienst, ich realisiere: das Warten und die Unsicherheit haben ein Ende - und ich ertappe mich am Abend eines guten Tages bei der Hoffnung, diese Krankheit möge mich doch einfach vergessen. Die Hand kribbelt. Das ist ihr einziger Statthalter, der hier gerade die Stellung hält, so lange die anderen Symptome mal ein bisschen Urlaub machen. Ich habe mir Urlaub verordnet - vorgezogene Semsterferien. Und ich komme mir faul dabei vor und unehrlich. Und ich werde streng mit mir und mit anderen: "Ich bin ja gar nicht so krank, dass ich nicht zum Hebräischkurs könnte!" "Pack mich nicht in Watte!...

Was bringt es mir krank zu sein?

  Wenn ich nicht mehr kann – ganz gleich was – oder auch nicht mehr will, ist „Tut mir Leid, ich bin krank!“ (gefühlt) die bessere Alternative zu „Tut mir Leid, ich mag (dich) nicht mehr (mehr)!“ Das bedeutet, wenn ich lerne „Tut mir Leid, ich mag nicht (mehr)!“ ohne schlechtes Gewissen zu sagen, muss mein Körper nicht mehr krank sein!

Leben, das gelingt

  Das wünsche ich mir:   Leben, das gelingt, in dem ich nicht permanent weniger schaffe, als ich mir vornehme.  Ich habe einen Job, den ich vermutlich behalten könnte, bis ich alt und grau wäre. Was für ein Privileg heutzutage! Aber ich schaffe es nicht. Ich pack´s nicht. Ich habe das Gefühl, ständig absagen zu müssen. Familie. Freunden. Jugendlichen bei der Arbeit. Kollegen. Arbeitgebern. Früher habe ich mir etwas auf meine Zuverlässigkeit eingebildet, hatte die arrogante Vorstellung, nur wer verbindlich durchzieht, was er/sie zugesagt hat, sei ein guter Mensch. Mich schüttelt es, wenn ich mir heute vorstelle, auf Basis dieser Weltanschauung Streitgespräche geführt zu haben. Irgendwie ist es gut, dass das Leben mich auf diese Weise jetzt fragt, ob ich das immer noch so denke oder jemals ernst gemeint haben könne.  Hat das also was mit gerechter Strafe zu tun? (Ich hab´s wohl so verdient...)  Oder einfach mit dem, was meine Seele lernen will? >...