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Zuviel ist zuviel

Ich bin krank. Aber nicht immer merke ich das selbst.
Man geht rein ins Krankenhaus und kommt wieder raus und was einen krank macht, sind die Warterei und die Unsicherheit sowie das Cortison bzw. die Tatsache, dass der Körper nun schreit: "Aahh, jetzt soll ich DAS wieder selbst produzieren?!?"
Doch nun tut die körpereigene Hormonproduktionsstelle wieder ordnungsgemäß ihren Dienst, ich realisiere: das Warten und die Unsicherheit haben ein Ende - und ich ertappe mich am Abend eines guten Tages bei der Hoffnung, diese Krankheit möge mich doch einfach vergessen.
Die Hand kribbelt. Das ist ihr einziger Statthalter, der hier gerade die Stellung hält, so lange die anderen Symptome mal ein bisschen Urlaub machen.
Ich habe mir Urlaub verordnet - vorgezogene Semsterferien. Und ich komme mir faul dabei vor und unehrlich. Und ich werde streng mit mir und mit anderen:
"Ich bin ja gar nicht so krank, dass ich nicht zum Hebräischkurs könnte!"
"Pack mich nicht in Watte!"
"Mach mich nicht kränker, als ich bin."
Aber ich ahne, mir geht es gerade so gut, weil ich mir die Ruhe nehme - von Gönnen kann keine Rede sein. Ich ahne, es wäre anders, wenn ich in meinem gewohnten Tempo weiterlebte. Ich ahne, ich werde lernen müssen, ein Zuviel zu vermeiden. Aber wie geht das?
Ich merke doch erst dann, WAS zuviel ist, wenn es schon zuviel ist. Und wenn ich ein Zuviel permanent vermeide, scheue ich dann nicht nur jede Überanstrengung, sondern leider auch jede Herausforderung? Will ich so leben? In ständiger Angst vor dem Zuviel? 
Es geht mir doch gut - gerade. :)

Kommentare

  1. Vielleicht solltest du es nicht vermeiden, sondern einfach machen. Deine neuen Grenzen erkunden. Und wenn du merkst, es geht nicht mehr - Abbruch. Das sagt sich wahrscheinlich leichter, als es ist. Aber ich denke, nur noch auf Schongang zu schalten, ist wirklich der falsche Weg.

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    1. Hallo Mea! Danke, für Deinen Rat! Ja, es hört sich leichter an, als es ist. Ich finde es schlimm, andere Menschen zu enttäuschen und wohlmöglich noch mit MEINER Arbeit an den Hacken hängen zu lassen. Schwierige Vorstellung. Meine Herausforderungen sind immer gemeinschaftliche, kein Solo-Freeclimbing-Abenteuer, das ich einfach sausen lassen kann, wenn es mir nicht gut geht. :/

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  2. Warum? Unser Körper ist ein alter Trickser, er schleppt Dich gern mal irgendwo hin und hat dort keinen Sitzplatz oder keine Schlafgelegenheit gebucht, vergessen Schutzkleidung einzupacken, etc. Wer kennt das nicht! Und hinterher lacht er Dich aus dafür, dass Du nicht alles genauestens kontrolliert hast, also sei wachsam!

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    1. Hey IK, ja, DU hast Recht! Ist keine schöne Vorstellung in der Fremde ohne Bleibe dazustehen, aber soll ich ihm permanent misstrauen? Wo führt das hin? Die MS richtet sich ja eh schon gegen mich selbst - mein fleißiges übereifriges Immunsystem! :)

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  3. Aber jeder hat doch mal das Recht auf ne Pause und braucht diese auch, ob nun geplant oder ungeplant, klar hat das immer irgendwelche Folgen, aber ich finde dafür muss man sich dann nicht entschuldigen, vielleicht heißt es besser "achtsam" mit sich selbt umzugehen, körperlich, psychisch, etc.
    Wenn man es nicht tut(und da habe ich selbst eine sehr schmerzhafte Erfahrung)bringt das nicht weiter sondern die Zeit der Genesung und Unzufriedenheit dauert noch länger.
    Nur wenn ich weiß, dass jemand grad nicht belastbar ist kann ich damit umgehen, im frei geben, mich kümmern, etc. ansonsten läuft alles normal und ich ärgere mich ggf. über wenig Belastbarkeit, Ansprechbarkeit etc. Damit tue ich auch Unrecht, aber aus Unwissen.

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