Direkt zum Hauptbereich

Liebe Janina!

Ich weiß, du denkst, du müsstest alles richtig machen.
Ich weiß, du hast Angst, alle Menschen, die dir etwas bedeuten, würden sich einfach irgendwann verdünnisieren und sang- und klanglos aus deinem Leben verschwinden. 
Ich weiß, das fühlt sich für dich wahr an. Unumstößlich. Aber das ist es nicht. Das ist eine Lüge, der du geglaubt hast. 
Glaub´ ihr nicht. Glaub´ ihr nicht mehr. Dazu besteht keine Notwendigkeit, auch wenn du dich dann schutzlos fühlst. In Wahrheit macht dich diese Lüge kaputt. Sie flüstert dir ein, dass es möglich und nötig sei, alles richtig zu machen und dass dir dann, aber auch nur dann, niemand mehr abhanden kommt. 
Wenn du weiterhin glaubst, dass es nur an deinem Bemühen liegt, und du feststellst, dass Menschen trotzdem gehen, wirst du immer zwanhafter und strenger mit dir sein, dich selbst immer weniger lieben und immer mehr Bestätigung von außen brauchen. 
Das ist ein wahrer Teufelskreis, der niemandem gut tut - nur schadet. Gott will, dass du frei bist. Ausbrichst. Erkennst. Liebst. 
Menschen kommen und gehen. Das ist Leben.
Menschen gehen und lassen dich zurück. Das ist schlimm und doch richtig. 
Dort, wo sie das tun, entscheiden sie sich für das Leben nicht gegen dich, auch wenn es sich für dich so anfühlt. Du sehnst dich nach Vergebung. Sie ist dein Thema und doch weißt du nicht, warum. Du bittest, bettelst und flehst, gelobst Besserung, damit doch "alles wieder gut" ist. Gott schenkt Vergebung, aber es ist eine andere, als du immer dachtest. Vergebung übersteigt jedes menschliche Vermögen. Bitte Gott um Vergebung für die Menschen, die gingen und dich zurückließen. Keiner von ihnen hat etwas falsch gemacht. Keiner traf die Wahl zwischen Richtig und Falsch, Bleiben und Gehen, Nicht-Sünde und Sünde. Hör auf, Listen zu schreiben mit Dingen, die du nicht tun darfst! Vergebung braucht die Tat nicht ihrer selbst wegen, sondern ihr Ergebnis - die Trennung, der Beziehungsbruch - schmerzt dich und hat dich geformt. 
Aber du bist nicht die Summe deiner Schmerzen! Du bist viel mehr. Das wird bleiben, wenn du den Schmerz hinter dir lässt.
Und du wirst entdecken, wie wunderbar du bist und immer gemeint warst. 

Alles Liebe! j.

Kommentare

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Zuviel ist zuviel

Ich bin krank. Aber nicht immer merke ich das selbst. Man geht rein ins Krankenhaus und kommt wieder raus und was einen krank macht, sind die Warterei und die Unsicherheit sowie das Cortison bzw. die Tatsache, dass der Körper nun schreit: "Aahh, jetzt soll ich DAS wieder selbst produzieren?!?" Doch nun tut die körpereigene Hormonproduktionsstelle wieder ordnungsgemäß ihren Dienst, ich realisiere: das Warten und die Unsicherheit haben ein Ende - und ich ertappe mich am Abend eines guten Tages bei der Hoffnung, diese Krankheit möge mich doch einfach vergessen. Die Hand kribbelt. Das ist ihr einziger Statthalter, der hier gerade die Stellung hält, so lange die anderen Symptome mal ein bisschen Urlaub machen. Ich habe mir Urlaub verordnet - vorgezogene Semsterferien. Und ich komme mir faul dabei vor und unehrlich. Und ich werde streng mit mir und mit anderen: "Ich bin ja gar nicht so krank, dass ich nicht zum Hebräischkurs könnte!" "Pack mich nicht in Watte!...

"Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmerhzig ist!"

Predigt für Luke-Enno Keitz` Taufgottesdienst „ Barmherzig“ sollen wir sein! Na, klar! Kein Problem! Aber --- wie geht das eigentlich??? Das hat was mit Herz zu tun: Sollen wir immer einen roten Stift dabeihaben und überall Herzen draufmalen? Hm... Ich bin nicht überzeugt. Was heißt denn dieses „barm-“ davor? Früher konnten sich zwei Bettler treffen und sich gegenseitig fragen: „Na, heute schon gebarmt?“ Barmen hieß „Betteln“ bzw. „Jammern“. Wenn jemand also „barm-herzig“ ist, hat er ein jammerndes Herz. Ein Herz, dass bittet und bettelt. Wann habt Ihr das letzte Mal bei den Abendnachrichten geweint? - Na, ist schon etwas her? Gründe genug gäbe es ja... Wenn ich ehrlich bin, schalte ich in letzter Zeit nach einem anstrengenden Tag eher weiter, weil ich es manchmal nicht aushalte, weil ich sonst anfangen müsste zu weinen. Barmherzig sein heißt aber genau das: Unser Herz weich machen für andere Menschen. Stellt Euch vor: Der Normalzustand unser aller Herzen ist dieser >>...

Schatzfinder

oder Wie ich lernte, eine tiefe Furche auf der Stirn zu tragen Es gibt Dinge, die kommen einfach nie aus der Mode. Sachen, die seit ihrer Erfindung nicht einfach von dem einen gemocht und vom anderen auch noch gewollt werden, sondern die, seitdem sie zum ersten Mal Verwendung fanden, so wenig aus dem menschlichen Leben wegzudenken sind, als gehörten sie zum Menschsein dazu wie der Gang auf zwei Beinen und die Fähigkeit sich wohl zu artikulieren. Wobei das ein oder andere, das einmal solchen Status genoss, solchen bereits wieder verloren zu haben scheint. Aber eines, dem wird dieses Schicksal erspart bleiben. So wahr ich... Mit dieser Wahrheit wurde ich konfrontiert, als ich an einem Tag im Juli, der es nach Maßstäben eines mitteleuropäischen Post-Eiszeitalters nicht zur Bezeichnung eines Sommertages brachte,einen Schatz fand. Das war kein Glück. - Missverstehen Sie mich nicht! Es war auch kein Pech. Es war … nichts. Es war nur einfach. Ich hatte weder gesucht, noch gehofft....