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Alles scheiße?!?

Predigt für Sonntag, Kantate, den 22.05.2011 Text: Mt21,14-17.18-22 Einstieg: Wo bist du das letzte Mal verletzt worden? Wo hast du dich über jemanden geärgert? Wo und in welcher Situation hast du das Verhalten eines anderen missbilligt und gedacht: „Das geht doch nicht! Dem da müsste man doch... Der da müsste jemand mal...“ Der Doofie, der dir hier vor der Kirche den Parkplatz wegschnappte. Die Truse, die sich beim Bäcker vordrängelte. Der Kollege, der seine Arbeit nicht geregelt bekommt und dessen Kram auf deinem Schreibtisch bzw. deinen Schultern landet. Die Mitschülerin, die dich beim Lehrer verpfiffen hat. „Zur Konfirmation der Nachbarstochter haben wir aber `was in `ne Karte gesteckt, aber was kommt zurück, wo unser Enkel Konfi hat???“… Unverschämtheiten. Unverfrorenheiten. Unsensibles Verhalten. Lästern. Lügen. Vertrauensbrüche. Menschen verletzen uns sogar mit ihrer Art, sich in der Öffentlichkeit zu geben: Oder wann hast du dich das letzte Mal über öffentliches N...

Liebe Janina!

Ich weiß, du denkst, du müsstest alles richtig machen. Ich weiß, du hast Angst, alle Menschen, die dir etwas bedeuten, würden sich einfach irgendwann verdünnisieren und sang- und klanglos aus deinem Leben verschwinden.  Ich weiß, das fühlt sich für dich wahr an. Unumstößlich. Aber das ist es nicht. Das ist eine Lüge, der du geglaubt hast.  Glaub´ ihr nicht. Glaub´ ihr nicht mehr. Dazu besteht keine Notwendigkeit, auch wenn du dich dann schutzlos fühlst. In Wahrheit macht dich diese Lüge kaputt. Sie flüstert dir ein, dass es möglich und nötig sei, alles richtig zu machen und dass dir dann, aber auch nur dann, niemand mehr abhanden kommt.  Wenn du weiterhin glaubst, dass es nur an deinem Bemühen liegt, und du feststellst, dass Menschen trotzdem gehen, wirst du immer zwanhafter und strenger mit dir sein, dich selbst immer weniger lieben und immer mehr Bestätigung von außen brauchen.  Das ist ein wahrer Teufelskreis, der niemandem gut tut - nur schadet. Gott will, dass d...

Familiengeschichten

Ich komme   zur Hochzeit Ihrer Kinder, zum 80. Geburtstag der Mutter                                              und auch zum Begräbnis des Großvaters und schreibe Ihre Geschichten. In jedem Augenblick steckt Ewigkeit. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – alles eins, nur durch das getrennt, was wir Zeit nennen und in Jahre, Wochen, Tage, Stunden und Sekunden unterteilen, um uns ein Gefühl von Fassbarkeit zu vermitteln, wo es doch nichts zu fassen gibt. Familienfeste sind Ereignisse, an denen wir den Windhauch einer Ahnung davon spüren. Im Trubel zwischen geschäftigem Treiben in Küche und Esszimmer, Spiel der Kinder, Musik, Gesprächen zwischen den Stühlen und Plaudereien zwischen Sofakissen ahnen wir: wir sind verbunden. Wir wissen nicht, wodurch, wo Famili...

fensterln

genug im eigenen saft gekocht. genug über mich selbst geschrieben. jetzt sind andere dran. ich liebe die kalte jahreszeit. ich liebe auch den sommer, aber kalt bedeutet dunkel und dunkel bedeutet erleuchtete fenster. menschen machen licht und gewähren einblick. ein blick in ein fenster: IKEA-regale, ein altes küchenbuffet, teedosen neben ordnerweise wissen und büchern, eine halbleere flasche wodka, der rote papierstern pendelt unerleuchtet in der heizungsluft. es ist doch schon bald ostern. wer ist das? nichts leichter als das: ralf, 31, lehrer, nicht single, aber er lebt allein. die zeit der wilden studentenpartys sind vorbei, auch wenn er ihnen ab und zu noch nachtrauert. aber die anderen erobern die welt ja auch nur noch vom pult und schreibtisch aus. abends gönnt ralf sich ab und an nen kurzen. dann setzt er sich.  nichts leichter als das: tina, eigentlich bettina, aber die betty hat  sie, gott sei dank, schon ne weile hinter sich. und mit der...